3. Netze knüpfen

Bild: griechischer Fischer (Fotografie, 1974)




Zeichnend spiele ich mit den Möglichkeiten Netze zu knüpfen – die Welt sehend zu denken. Das Netz der Linien auf meinem Zeichenblatt verdichtet sich, doch mit zunehmender Dichte erfasst dieses Netz die mir sichtbare Welt nicht besser. Wie dicht ich dieses Netz auch webe, zu einer „objektiven“ Darstellung kann und soll es niemals kommen. Denn mir geht es beim Zeichnen nicht um das Ergebnis, sondern um den Weg dahin.

Unser Bild der Welt ist niemals fertig – darf niemals fertig sein.

Bild: Cessenon s/Orb (Zeichnung, 1997)
Bild: Angelika zeichnend (Tuschezeichnung,1989)

Die Funktion der Linie in einer Zeichnung kann sowohl im Trennen als auch im Verbinden liegen.
So kann uns das Liniennetz einer Zeichnung das Vernetztsein  der Welt sichtbar machen.

Kreativität ist die Fähigkeit, neue Verbindungen zu sehen und zu knüpfen, insofern ist sie eine Weltenherstellerin.

Bild: Linienspiel (Tusche-Zeichnung)

In unseren Dialogen spinnen wir gemeinsam die Fäden
und verknüpfen sie.
Gemeinsam finden und entdecken wir,
was und wie es zusammenhängt.

Zitat: Ursula Brandstätter vergleicht das Denken mit dem Knüpfen von Netzen..
Zitat: Michel Foucault vergleicht das Lebenmit einem Netz.

Was wir so an Sinn finden und geben,
sind die (vorerst noch) haltbaren Verknüpfungen
in unserem großen Weltgewebe